Andreas Pröve

Andreas Pröve wird auch der "rollende Fotoreporter" genannt. Als 23jähriger verunglückte er mit seinem Motorrad und ist seitdem querschnittsgelähmt. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, in die entlegensten Winkel der Erde zu reisen. Zuletzt bereiste er Indien, von Küste zu Küste – in Handarbeit. Wer schon mal als "Fußgänger" im Milliardenland unterwegs war, weiß, was das bedeutet.
Doch für Andreas Pröve gibt es keine unüberwindbaren Hindernisse. Weil er überzeugt ist, dass sich auch die Misere in Indien in den Griff kriegen lässt, berichtet er für Terre des Hommes über Kinderarbeit in Indien, über unterdrückte Bergvölker oder vom Überlebenskampf der Slumbewohner Kalkuttas. Über die Dinge, die ihn umtreiben, hat er uns bei einem anregenden Gespräch in Heidelberg erzählt.




Ihr neues Buch heißt "Erleuchtung gibt's im nächsten Leben". Wir vermuten, dass der Titel durchaus auch selbstironisch gemeint ist. Wenn ja, welche Erleuchtung erhoffen Sie sich im nächsten Leben?

Andreas Pröve: Ganz falsch liegen Sie nicht, jetzt nach 14 Reisen durch Indien ist mir klar geworden, dass dieses faszinierende Land für mich immer ein Rätsel bleiben wird. Jedenfalls so lange ich lebe. Schlimmer, je öfter ich versuche den Menschen, ihrer Kultur und Religion auf die Spur zu kommen, umso mehr Fragen werden aufgeworfen. Indien zu begreifen ist, als wolle man einen Schwarm Mücken mit der Hand einfangen. Man erwischt immer nur einen kleinen Teil, während einem der große Rest entwischt.

Was sind Antrieb und Motivation für Ihre Reisen?

Andreas Pröve: Es ist unstillbare Neugier, Wissensdurst und der Drang Träume in Erfüllung zu bringen. Reisen am Puls des Landes und nicht gereist werden, nicht vorgekaute Fakten hingeworfen zu bekommen, sondern selbst zu recherchieren.

Ein kurzer Blick in die Zukunft: Sind neue Reisen geplant?


Andreas Pröve: Auch hier reicht dieses Leben nicht aus, alle Pläne zu verwirklichen. Ja, ein paar weitere Leben wären nicht schlecht. Mehr kann ich nicht verraten, über ungelegte Eier rede ich nicht.

Von Ihren Vorträgen und Büchern fühlen sich Menschen extrem ermutigt. Wodurch geben Sie den Menschen Mut?


Andreas Pröve: Indem ich mich nicht als Vorbild hinstelle, sondern die Botschaft vermittle, dass jeder seine ganz individuellen Grenzen ausloten sollte. Indem ich zeige, dass es geht, wenn man nur will, dass Träume und Wünsche in Erfüllung gehen, wenn man hart daran arbeitet. Voraussetzung ist aber immer, dass die gesteckten Ziele auch immer realistisch und erfüllbar bleiben.

Würden Sie sich als mutigen Menschen bezeichnen?


Andreas Pröve: Vielleicht, ja, mutig schon, aber das reicht nicht. Angst ist ebenso wichtig wie Mut. Ohne ein gesundes Maß Angst, die mich schon in vielen prekären Situationen gerettet hat, würde ich heute nicht hier sitzen. Damals, als ich den Unfall hatte, war die Balance zwischen Mut und Angst nicht ausgewogen. Zu viel Mut, zu wenig Angst.

Haben Sie ein Motto, das Sie und Ihre Lebenseinstellung beschreibt?


Andreas Pröve: Niemals die Neugier verlieren. Niemals glauben, man habe schon alles gesehen. Niemals mit vorgefassten Meinungen losziehen. Begeisterungsfähig bleiben.

Wir waren selbst schon häufiger in Indien unterwegs. Wir lieben das Land und die Menschen und fragen deshalb natürlich mit einer gehörigen Portion Neugier: Haben Sie einen Lieblingsort in Indien?


Andreas Pröve: Selbstverständlich. Nur kann dieser Ort überall in Indien sein. Wenn sich um fünf Uhr Morgens die Nebel lichten, die Krähen schreien und die ersten Frauen mit ihren Tonkrügen zum Dorfteich gehen, dann ist Indien so, wie ich es immer träume.

Namasté.


(c) Anja Förster & Peter Kreuz, www.foerster-kreuz.com 

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Website: Andreas Pröve
Bücher: Erleuchtung gibt's im nächsten Leben, Mein Traum von Indien, Meine orientalische Reise


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